Verbrüdert mit der historischen Region Kurland, ist die heutige Provinz Zemgale (dt. Semgallen) mehr als Lettlands Kornspeicher südlich der Landeshauptstadt Rīga. Im Norden von der Daugava dominiert, sich im Süden gen Litauen wendend, beweist das landwirtschaftlich geprägte Tiefland von Zemgale zwischen den kurländischen Hügelketten im Westen und der letgallischen Seenplatte zwar außerordentliche Fruchtbarkeit. Gleichwohl türmen sich hinter den regionalcharakteristischen Weizenhalmen beachtlichere Hinterlassenschaften patriotisch umkämpfter livländischer Ordensburgen und Repräsentanten der barocken Baukunst. Tatsächlich hütet Zemgale die Schätze des einstigen lettischen Adels und ebnet die Fährten deutscher Ritter, einflussreicher Bischöfe und Kaufleute.
Als bedeutendste touristische Sehenswürdigkeit sticht das Barockschloss Rundāles pils (dt. Schloss Ruhental) bei Bauska hervor. Doch auch die frühere kurländische Hauptstadt Jelgava wartet trotz verheerender Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg mit einer kolossalen Burg auf, gegründet vom Livländischen Orden im Jahre 1265 auf einer Insel am Zusammenlauf der Flüsse Lielupe und Driksa. Die gegenüberliegende Turmruine der Dreifaltigkeitskirche dokumentiert indes die Ausmaße der einstigen Besatzung.
Touristische Reize bekennt ebenfalls Jēkabpils, ein alter semgallischer Handelsplatz an der Daugava, welcher bereits mit den Wikingern Geschäfte unterhielt. Die hiesige Burg am rechten Flussufer wurde im 13. Jahrhundert vom Erzbischof von Rīga in Auftrag gegeben und bot der aufkommenden Stadt Krustpils (dt. Kreuzburg) Schutz, während das namengebende Jēkabpils erst im 17. Jahrhundert am anderen Ufer entstand, ehe sich beide Städte im Jahre 1962 zum gegenwärtigen Jēkabpils vereinten. Einerseits wichtiger Eisenbahnknotenpunkt dreier großer Fernlinien, eignet sich die Stadt touristisch vor allem als Ausgangspunkt für Ausflüge in das herrliche Umland, dessen Bewohner für ihre ausgesprochene Gastfreundlichkeit bekannt sind.

