Als eine der vier offiziellen Provinzen des lettischen Staatsgebietes grenzt Vidzeme im Norden an Estland, im Westen an die Ostsee, im Osten an Russland und im Süden an den Fluss Daugava sowie an die Region Latgale. Das „Mittelland“, wie Vidzeme aus dem Lettischen von den Worten vidus (dt. Mitte) und zeme (dt. Erde, Land) abgeleitet werden kann, gehörte ursprünglich zum historischen Livland, dessen Territorium im Norden bis an den Finnischen Meerbusen und im Süden bis nach Litauen reichte. Und noch heute birgt der regionale Dialekt altlivische Spuren.
Auf rund 23.000 km² (35 Prozent der Landesfläche Lettlands) in neun Verwaltungsbezirke gegliedert, treten auf vidzemischem Gebiet neben der Landeshauptstadt Rīga vor allem das populäre Seebad Jurmala mit seinen postkartengleichen ausgedehnten Sandstränden als auch der landeinwärts befindliche Gauja-Nationalpark in touristischen Augenschein. Das Gauja-Urstromtal mit seinen roten Sandsteingrotten sowie den Burgen von Sigulda, Krimulda und Turaida zählt neben der hundert Kilometer langen dünn besiedelten Küstenlinie zwischen der Daugava-Mündung und der estnischen Grenze, einschließlich malerischer Strände, Kliffs und Salzwiesen, zu Lettlands schönsten Landschaften.
Doch auch kulturhistorisch hat Vidzeme seinen Touristen Anschauliches zu bieten. Insbesondere die mittelalterliche Stadt Cēsis im Herzen des Gauja-Nationalparks imponiert angesichts seiner majestätischen Ordensburg, der besterhaltenen dieser Art im gesamten Baltikum, seinen malerischen Ringgassen, Kaufmannshäusern und gotischen Giebeln. Einst von den Wenden errichtet, erlangte das hanseatische Cēsis im 15. Jahrhundert beträchtlichen Wohlstand, wie das Stadtbild noch immer bezeugt.
Im äußersten Nordosten Lettlands wiederum, im Umkreis der Kleinstadt Alūksne und der anschließenden Vidzeme-Hochebene regiert die unerschütterliche Beschaulichkeit. Brilliert Alūksne selbst durch griechische Pavillons, so kontert die umliegende sanftwellige Hügellandschaft mit den Vorzügen unberührter Natur.

