Einwohnerzahl: ca. 66.130
Ein Abbild deutschbaltischer Adelsgeschichte beflaggt noch heute das zentral-lettische Jelgava, frühere Hauptstadt des Vereinigten Herzogtums von Kurland und Zemgale. Etwa 44 Kilometer im Südwesten von Rīga, in einer von Wäldern eingefassten Küstenniederung am rechten Ufer der Lielupe (dt. Kurländische Aa) gelegen, konnten selbst einschlägige Kriegsschäden dem Gepränge Jelgavas keinen Abbruch tun. Vom Jakobskanal umschlungen, bezeugen stattliche Herrschaftshäuser entlang der typisch breiten, gleichmäßigen Straßenzüge von der einstigen Präsenz der kurländischen Herzöge.
Auf einer Insel zwischen der Lielupe und der Driksa thront das Wahrzeichen der Stadt, das ursprünglich aus dem Hochmittelalter stammende und schließlich im 18. Jahrhundert nach Plänen des Architekten des russischen Hofes Bartolomeo Francesco Rastrelli neu errichtete herzogliche Schloss. Von einem Park umgeben, beherbergt der imposante dreigeteilte Komplex nicht nur beachtliche Kunstschätze, einschließlich der Sarkophage aller kurländischen Herzoge (z.B. des Herzogs Gotthard Kettler), sondern erhält überdies nach wie vor die Vorhallen und Gewölbegänge aus der ersten Bauphase.
Am gegenüberliegenden Ufer der Driska erinnert der verwaiste Turm der vormaligen St. Dreieinigkeitskirche an deren Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Unerschütterlich erweisen sich hingegen die Barockkirche Heilige Anna, die Villa Medem sowie das Gebäude der alten Academia Petrina im Puschkin-Prospekt 10, welches in den Jahren 1773 bis 1775 aus dem Schloss der späteren Kaiserin Anna von Russland hervorging. Sowohl auf ihre berühmten Lehrenden als auch auf spätere Gelehrte blickt die historische Lehrstätte mit Stolz, darunter der deutsche Mathematiker und Astronom Wilhelm Gottlieb Beitler (1745-1811), der schwedische Naturwissenschaftler Johann Jacob Färber (1743-1799) sowie der sogenannte Vater des lettischen Theaters Adolfs Alunāns (1848-1912). Bescheidenere, gleichwohl eindrucksvolle Architekturgeschichte erwartet Besucher in der Auseklis iela Straße angesichts etlicher Wohn-, Handels- und Handwerkerhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

